Astrali Banali

Franz Binder:

Astrali Banali

Vom Missbrauch der Esoterik.

Vorwort

Vorsicht! Dieses Buch ist geladen! Es sucht keine Töne beschwichtigender Harmonie, sondern Auseinandersetzung. Flüchtig durchgelesen wird dieser Text bei denen, die sich der Esoterik oder dem Neuen Denken verbunden fühlen, möglicherweise auf Ablehnung und Missverständnis stoßen, bei Gegnern der Esoterik hingegen vielleicht auf eine Zustimmung, die sich allerdings auf einem ebenso großen Missverständnis gründet. Daher diese Vorbemerkung, die einiges zurechtrücken soll, bevor der Text dieser Streitschrift vieles andere durcheinanderwirbelt.

Die Esoterik-Szene ist zur beliebten Zielscheibe von Kritik und Hohn durch die Medien und die sogenannte öffentliche Meinung geworden. Nicht ganz zu Unrecht, wie diese Schrift zeigen wird. Das Fatale dabei ist, dass meist der gesamte Komplex spirituellen Lebens über einen Kamm geschoren und der Lächerlichkeit preisgegeben wird, der ernsthafte spirituelle Weg ebenso wie die albernen Auswüchse des des kommerziellen Esoterik-Marktes, der im Zuge seiner Popularität und durch die damit verbundene Vermarktung den eigentlichen Anlass für Spott und Attacke liefert.

Im Grunde ist jeder Zeitgenosse zu verstehen, der mit skeptischer Vernunft einen Rundgang durch eine Esoterik-Messe unternimmt, um anschließend den ganzen Bereich des Spirituellen als Scharlatanerie und Geldschneiderei der übelsten Art anzuprangern.

Der Bereich des Metaphysischen ist für einen Außenstehenden schwer einzuschätzen, also wird er danach beurteilt, wie er sich seiner breiten Öffentlichkeit präsentiert. Mit der gleichen Unfähigkeit zu differenzieren, setzt sich die Esoterik-Szene oft zur Wehr, indem sie kritische Bemerkungen entweder als Ketzerei, als Lästerung heiliger Dinge oder hochmütig als unwesentliche Äußerung nicht eingeweihter Ignoranten abtut. So grenzt sich eine scheinbare geistige Elite in ihrem astralen Luftschloss gegen die «spirituell Minderentwickelten» ab. Aus genau dieser Einstellung aber sind auch die Scheuklappen selbstgerechter Fundamentalisten jeglicher Coleur gemacht, die ihre Meinung zur alleinseligmachenden erklären und selbst wohlmeinende Kritik als boshafte Attacke auf unantastbar hehre Güter verteufeln.

Die gängigen Feindbilder der Esoteriker sind rasch abgesteckt – sensationshungrige Journalisten, die zum Zwecke der Auflagensteigerung von Berufs wegen Wahrheit verdrehen, fanatische Sekteninquisitoren, die im Auftrag existenzbedrohter Kirchen lästige Konkurrenz verunglimpfen, bornierte Schulwissenschaftler, die nicht in der Lage sind, über den Tellerrand überkommener Weltbilder hinauszublicken, und natürlich die Masse Mensch, zu stumpf für alles Subtile und von obengenannten Meinungsmachern verdorben und fehlgeleitet.

Vorliegende Schrift stammt aber nicht aus den Reihen dieser vermeintlichen Allianz gegen das Neue Denken, sondern von einem, der selbst seit über zwanzig Jahren einem geistigen Weg folgt. Der Autor ist überzeugt, dass die spirituelle Transformation des Individuums die wichtigste Kraft darstellt, die uns und unserer problembeladenen Welt von echtem Nutzen sein kann, er begrüßt alle Formen des Neuen Denkens und Handelns, die eine solche Spiritualisierung fördern. Umso mehr irritiert ihn der Missbrauch spirituellen Gedankengutes und esoterischer Überlieferung, umso mehr sieht er jeden ernsthaften geistigen Weg durch die gegenwärtige esoterische Inflation gefährdet.

Die kommerzielle Ausbeutung des Spirituellen lenkt viele Sucher vom Weg ab oder hält sie auf den untersten Stufen geistiger Entfaltung fest, führt sie direkt vom ersten Aufkeimen eines Interesses für die Dinge jenseits der sichtbaren Realität in die bequeme und faszinierend schillernde Sackgasse einer banalen und nutzlosen Jahrmarktsmetaphysik.

In diesem Büchlein geht es nicht darum, das esoterische Leben, wie es sich heute einer breiten Öffentlichkeit darstellt, in einem Rundumschlag pauschal und unsachlich zu verunglimpfen (wie das die meisten Kritiker «von außen» tun), sondern darum, den Blick zu schärfen für Fallen und Illusionen, für die Unterscheidung zwischen seriös und unseriös. Es geht darum, inmitten des überquellenden esoterischen Supermarktes die Ernsthaftigkeit und Gültigkeit aufrechten spirituellen Bemühens in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken.

Übertreibung und Überspitzung sind bei diesem Versuch nur Stilmittel, die so manches deutlicher machen als sachliche Erörterung es könnte. Sie wollen Anstoß zu selbstständigem Denken und Unterscheiden geben. Diese Schrift richtet sich nicht gegen die eigentlichen Ziele und Absichten der Esoterik und des Neuen Denkens, sondern ist im Grunde genommen ihr aufrichtiger Fürsprecher.

Lieber Leser – Ihr Streben nach innerer Wahrheit ist zu kostbar, um es für ein paar bunte und schnelle Erfahrungen, einige sentimentale Hochgefühle, pseudomystischen Realitätsverlust, bigotte Liebesschwärmereien oder ein wenig exotischen Klimbim preiszugeben. Bei der eigentlichen spirituellen Suche geht es um mehr als «gute Schwingungen» im kommerziellen Getriebe der modischen eosterischen Schnellimbiss-Mentalität. Spiritualität ist nicht «astrali banali», sondern ein ernsthafter, nicht immer leichter und angenehmer Weg in die Wahrheit des Selbst.

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