LeseprobeVorwort Liebe Freunde, wie oft bin ich in Fanbriefen oder während einer Tournee gefragt worden: «Gibt es eigentlich ein Songbuch von dir?» Und immer mußte ich antworten: «Nein, leider nicht. Ganz früher gab es mal eines, mit den ersten Liedern – aber danach nicht mehr.» «Das ist aber schade», bekam ich dann meist zu hören. Beim letzten Mal war es allerdings ein engagierter Verleger, Ronald Zürrer, der dies sagte, und dann wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Innerhalb kürzester Zeit hat er dieses Buch zusammengestellt, das ihr nun in Händen haltet. «Wie viele Lieder hast du aufgenommen in der ganzen Zeit?» – Puh, keine Ahnung, um ehrlich zu sein! In den dreißig Jahren meiner musikalischen Laufbahn wahrscheinlich ganz schön viele, aber wie viele genau? Tja, auch das konnte mir mein Verleger sagen, nämlich 222. Das ist echt eine ganze Menge, hätte ich nicht gedacht. Um das Textbuch aber nicht in einen richtigen Wälzer ausufern zu lassen, haben wir daraus eine Auswahl treffen müssen. So wurden hier alle Songs berücksichtigt, die heute noch auf einem Tonträger (CD) erhältlich sind, auch die von den ganz frühen LPs. An viele davon konnte ich mich selbst nicht mehr erinnern. Es ist ja nicht so, daß man ein Lied, das man einmal im Studio aufgenommen hat, auf immer im Gedächtnis behält. Die Texte jener Songs, die ich oft singe – im Fernsehstudio oder live auf Tour –, die bleiben natürlich im Kopf. Aber all die anderen? Etwa fünfzig Texte könnte ich wohl auf Knopfdruck auswendig runterrattern. Bei weiteren fünfzig wüßte ich zumindest, worum es inhaltlich geht. Aber die restlichen habe ich schlichtweg vergessen. Das mag seltsam erscheinen, aber stellt euch mal vor, jemand würde euch nach einem Schulaufsatz fragen, den ihr zum Beispiel in der ersten Hälfte des Schuljahres 1975 (sofern ihr da überhaupt schon auf der Welt wart) geschrieben habt?! Was im Gedächtnis bleibt, sind die Highlights, und der Rest versinkt im Ozean des Vergessens. Darum bin ich selber froh, nun diesen Überblick meiner Lieder vor mir zu sehen. Denn wenn ich jetzt die Texte lese, kann ich mich sofort wieder erinnern, wie es damals war und was ich gefühlt habe im Studio und mit den jeweiligen Produzenten, wie meine damaligen Lebensumstände waren, und vieles mehr.
Aber irgendwann wollte ich es dann einfach selbst machen, vielleicht um noch ein bißchen mehr ich selbst sein zu können. Ich schrieb bereits einige Songs in den 70er und 80er Jahren, aber die richtige Entfaltung als Texterin kam erst Anfang der 90er Jahre zusammen mit Andreas Bärtels. Wie viele Stunden haben wir gemeinsam um Worte gerungen, haben gestammelt, Begriffe neu definiert, endlos diskutiert, haben Verständnis gesucht und schließlich doch wieder alles verworfen! Mit Andreas habe ich bestimmt an die 500 Texte geschrieben, von denen wir dann 400 wieder in den Papierkorb geworfen haben. Einige davon waren so ungewöhnlich, daß die Plattenfirma sich schlichtweg weigerte, ein Lied mit einem solchen Text zu veröffentlichen. Es waren grandiose Geschichten dabei, und es hat mir oftmals weh getan, mich dem Diktat eines Firmenchefs beugen zu müssen. Manchmal ist es auch so, daß man eine tolle Geschichte hat, aber irgendwie kommt sie zusammen mit der musikalischen Komposition des Liedes nicht richtig rüber. Dann ist es wichtig, seine Arbeit immer wieder neu zu hinterfragen, umzudenken, andere Ansätze zu suchen, umzuschreiben und die schon getexteten Refrains wieder aus dem Kopf zu bekommen, zuweilen auch ganz neu anzufangen. Wie oft haben wir für einen Song sechs oder sieben verschiedene Texte gemacht?! Mittlerweile schreibe ich vorwiegend alleine. Das ist zwar ein einsamer Job, aber ich kann mich so ganz klar darauf besinnen: Was will ich sagen, und wie will ich es sagen? Bin ich mir erst einmal darüber im klaren, dann steht der Text ziemlich rasch. Dann muß man überprüfen, ob der Text beim Zuhörer auch genauso ankommt, wie er gedacht war. Dabei kann man viele Überraschungen erleben, denn oftmals interpretieren andere Menschen viel mehr und ganz andere Dinge in Lieder hinein, als das, was der Autor eigentlich sagen wollte. Aber dann bin ich meist begeistert über so viel Phantasie und Lebendigkeit und denke: Das muß wohl ein guter Text sein, wenn er derart viel Raum für die Persönlichkeit des Hörers läßt! In diesem Sinne viel Spaß mit diesem Buch wünscht euch Juliane Werding, im Januar 2002 |
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